Kleine Ergänzung zur von mir zusammengetragenen Sammlung alter Waagen und Gewichte:
Mein Onkel Robert Leeker holte sich solche von Ranken "gequälten" Stöcke von Waldrändern
und Knicks (Grenzwälle mit Büschen und Bäumen als Windschutz), begradigte und putzte sie,
schrieb ins "Gewinde " bekannte und unbekannte Gedichte und Lieder.
- - - - - - - - - - - Er rechnete genau - alle Strophen passten exakt von oben bis unten.

Diese Stöcke sind also nicht etwa gedrechselt -
es sind "Naturprodukte" (teils ergänzt duch Knauf oder Griff),
entstanden durch das Zusammenwirken zweier Pflanzen.
Nachfolgend meine Gedichte
zu diesem Stöcke-Thema,
teils auf Platt - mit Übersetzung dazu.
Knüppel vom Knick

Im Knick war ich ein Krüppel bloß
- verhunzt und gequält von einer Ranke.
Kam einer daher und schnitt mich los/ab
- mochte lieber dick-verbeult als schlank.

Ich diene dir gerne als „drittes Bein",
gebe/bin dir die Stütze - und gehe mit dir,
bin sehr schmuck/schön nun anzusehn
- ein jeder beneidet dich so um mich.

Knüppel vun'n Knick

In'n Knick wär ik een Krüppel blooß
- verhunzt und quält vun eene Rank;
keem een dorher und schnää mi loos
- müch leever dick-verbuult as schlank.

Ik deen di geern as „drüttes Been",
geef di de Stütz - und goo mit di,
bin bannich schmuck nu antosehn
- jedeen beneed' di so üm mi!


Übersetzung:
Zur Sammlung
Waage & Gewicht
< < Besonders wörtliche
Übersetzungen können
sich natürlich nicht reimen
Das folgende Gedicht schrieb ich gezielt
als Beschriftung für DIESEN Stock


Ausschnitte aus der Sammlung
von über 2000 Stück


Dass einer, wenn er ins Alter kommt,
mit Reißen hier und Zwicken da,
beim Gehen sich gern einen Krückstock nimmt
- mir dünkt, das ist doch klar!

Für solche - und viele andere Leute -
bin ich gewachsen und so geworden,
mit Ringeln rundum, wie man sieht
- im Knick, da hinter'm Garten.

Zwei Pflanzen hat unser Herrgott genommen,
um mich so hin zu bekommen,
ich selbst wuchs gerade aus nach oben
- die andre durfte sich um mich schmiegen.

Und einen habe ich gebraucht, um mich zu finden
- und aus dem Knick zu schneiden,
wo ich zwischen lauter glatten Stöcken stand
- er mochte mich lieber leiden.

Er nahm mich mit und putzte mich zurecht,
gab Griff mir und diesen Spruch;
wenn einer „Bist schmuck" nun zu mir sagt
- ist uns das Ehre genug.

> > Übersetzung > > >
Ein Stock stellt sich vor
und noch ein Gedicht dazu
auf Hochdeutsch > >


Ich - der
SpaZIERstock

In einem Busche auf dem Knick
- ich wollt' gradaus nach oben streben -
passierte mir ein Missgeschick,
wünsch' keinem sonst, dies zu erleben:

'nem andren Pflänzchen - allerhand! -
gefiel an mir das Hohe, Schlanke,
ist gleich in Liebe wohl entbrannt,
umschlang mich heiß, die dünne Ranke

Es nimmt die Luft, so starke Liebe
- mir presste sie die Rippen ein -
ich wurde Opfer ihrer Triebe
und war fortan nie mehr allein
Fortsetzung > > >



Einer fand grad Wohlgefallen,
an meinen Rippen rund und dick,
befreit' mich von den Schlingen allen
und führt' mich heim ins neue Glück

Ich wurd' begradigt und poliert,
statt strammer Ranke - rundum Worte,
wen immer nun mein Dasein ziert,
bin Schmuckstück heut'
an jedem Orte


Solche Stöcke
nannte man STENZ
(auf Wanderschaft!)
und (fälschlich)
Knotenstock,
auch Ringelstock